Reportage: Für immer ein Teil von Bergheim

Die Lebendige 700

Der Festakt im Medio.Rhein.Erft am 22. Januar 2012 als Auftaktveranstaltung für die 700-Jahr-Feier der Stadt machte seinem Namen alle Ehre: Die Stimmung war von Anfang an festlich. Dafür sorgte schon die Big Band des Erftgymnasiums unter der Leitung von Schulleiter Dr. F.-J. Hummelsheim. Mit schwungvollen Evergreens verbreitete sie beste Laune, bevor eine stolze Bürgermeisterin ihre Eröffnungsrede hielt. Die geladenen Gäste aus Politik, Gesellschaft, Sponsoren und der Bürgerschaft erfuhren, dass die Gründung der Stadt Bergheim sogar noch länger als 700 Jahre zurückliegt, jedoch wolle man sich auf schriftliche Aufzeichnungen berufen, und die stammen aus dem Jahr 1312. Dies bestätigte auch der Graf von Jülich, der damals die Urkunde zur Stadtwerdung unterzeichnet hatte. Er war mit seinem Gefolge gekommen, um Bürgermeisterin Maria Pfordt seine Aufwartung zu machen und zu berichten, was ihn 1312 dazu bewogen hat, den Bergheimern den Stadtstatus zu verleihen. Überzeugend dargestellt waren diese wichtigen Personen von Schauspielern des Kameradschaftlichen Theatervereins Oberaußem, Carsten Lech (als Graf), Bürgern aus Glessen und Mitgliedern des ortsansässigen Museumsvereins.

Bergheim galt im 14. Jahrhundert als gewinnträchtiger Warenumschlagplatz und diente darüber hinaus als Verteidigungslinie der Grafschaft gegen die ‚Vorherrschaft der Kölner’, so die gräflichen Worte. Maria Pfordt nahm diesen Faden auf und meinte, daran habe sich bis heute nicht viel geändert. Natürlich blieb es nicht nur bei humorigem Geplänkel, denn auch so ein bedeutsames Jubiläumsjahr kann nicht über die äußerst angespannte Haushaltslage hinwegtäuschen. Das kam auch in der Festrede des ehemaligen Ministerpräsidenten von NRW, Dr. Jürgen Rüttgers, zum Ausdruck, der auch noch die schwierige Aufgabe des Strukturwandels in Bergheim zur Dienstleistungsstadt hervorhob. Beide Redner waren sich allerdings einig darüber, dass die BürgerInnen von Bergheim einen wesentlichen Anteil am Wohlergehen der Stadt hatten und haben. Zum Beispiel ist das Engagement von 160 Vereinen eine wertvolle Größe und so wurden deren Vertreter von Maria Pfordt ermutigt: ‚Machen Sie mit, denn wir sind Bergheim!’ Diese Aufforderung galt in dem Zusammenhang für die weiteren Festivitäten dieses Jubiläumsjahres, vor allem aber die Festwoche vom 01. – 10. Juni 2012.

Den Unterhaltungsteil bestritten acht herausragende Stimmen des Vokalensembles DACAPELLA, die das Publikum mit Titeln, wie Son of a Preacher Man, Devil in disguise, und Bergheimian Rhapsodie (in Anlehnung an Bohemian Rhapsody) zu wahren Begeisterungsstürmen hingerissen haben. Einen Kontrast dazu bot die aufregende Feuer-Jonglierschau der 5-köpfigen Artistengruppe Chapeau Bas, die dem Publikum förmlich den Atem raubte.


Fotos mit freundlicher Genehmigung von Frank Rechtmann

So eingestimmt, waren mehr als 300 Bergheimer bereit, die Lebendige 700 nachzustellen, obwohl der Himmel über Bergheim bis kurz vor 15:00 Uhr grau verhangen blieb und Maria Pfordt wahrscheinlich ein Stoßgebet nach dem anderen gen Himmel schickte. Immerhin war es nur windig und nasskalt und strömender Regen blieb beim Fototermin aus. Wie Heckenschützen hatten sich Fotografen auf dem Dach des Medio positioniert. Maria Pfordt befand sich im Rettungskorb der ausgefahrenen Feuerwehrleiter in Schwindel erregender Höhe und gab letzte Regieanweisungen. Die Bürgermeisterin war durchgefroren aber offensichtlich glücklich. Es war ein sehr emotionaler Augenblick, den die Beteiligten sicher nicht so schnell vergessen werden. Dafür sorgen natürlich auch die spektakulären Fotos der Lebendigen 700, die in die Geschichte von Bergheim eingehen werden.

Für den SüdWestWind
Ursula Schlößer