Reportage: Abriss-Event Berliner Ring 41-45

Ich bin dann mal weg…

Viel Lob erntete die EGBM anlässlich der Inszenierung des Countdown zum Abriss der maroden Wohnanlage Berliner Ring 41–45 in Bergheim. Bürgermeisterin Maria Pfordt hatte in ihrer Ansprache noch einmal die Vergangenheit des in den 70-er Jahren erbauten Hochhauskomplexes herausgearbeitet und festgestellt, wie wenig das ursprüngliche Konzept einer modernen Wohnstadt in die Höhe gebaut aufgegangen war. Stattdessen hatte es sich durch komplizierte Eigentumsverhältnisse und enormen Instandhaltungsrückstand in eine Bausünde verwandelt, in der zum Schluss niemand mehr länger wohnen mochte als nötig. Die Bürgermeisterin beschrieb die Mammut-Aufgabe, welche die EGBM zu bewältigen hatte, nachdem die Zuschüsse des Landes Nordrhein-Westfalen – 70 % der Gesamtkosten von über sechs Millionen Euro – für den Abriss der Wohnanlage zugesagt und die entsprechenden Ratsbeschlüsse gefasst waren. Immerhin galt es, 226 Wohnungen und 99 Garagenstellplätze anzukaufen und den verbliebenen Mietern bzw. Eigentümern behilflich zu sein, eine angemessene neue Wohnung zu finden. Von der Idee bis zur Ausführung vergingen acht Jahre und über ihre Erlebnisse könnten die EGBM-Mitarbeiter sicher ein Buch schreiben.

Dann ergriff der eigens angereiste Michael Groschek – Minister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, – das Wort und bezeichnete das Projekt als einmalig in Deutschland. Michael Groschek befand allerdings auch, dass Bergheim Süd-West diese Maßnahme auch verdient habe. Bereits im Rahmen seiner Sommerreise im letzten Jahr hatte er sich von der positiven Entwicklung im Stadtteil bei einem Rundgang überzeugt und sich auch über die baulichen Veränderungen und die zahlreichen sozialen Projekte gelungener Nachbarschaft informiert. Ganz begeistert war Michael Groschek von den privaten Investitionen der Bürger in ihre Fassaden und Gartenanlagen, die wesentlich zum positiven Erscheinungsbild beitragen.


Fotos: Heike Flamm, Christoph Schiffer und Ursula Schlößer

Trommeln und die Klänge eines Didgeridoos (traditionelles Musikinstrument der nordaustralischen Ureinwohner), untermalten den Höhepunkt der Veranstaltung. Im Förderkorb einer Feuerwehrleiter stehend schwangen die Bürgermeisterin und Michael Groschek in 10 m Höhe als symbolischen Akt eine Pseudo-Abrissbirne gegen die Fassade. Dann entrollten sich vor den Balkonbrüstungen riesige Transparente mit den Worten „Hier entstehen beste Aussichten“. Den Abschluss bildeten 16 BürgerInnen mit leuchtend grünen Regenschirmen. Auf jedem Schirm war ein Buchstabe angebracht. Im Zusammenhang war zu lesen „Ich bin dann mal weg“.

Diskutiert wird zurzeit der Bau einer Berufsschule, die in ein paar Jahren hier entstehen könnte.

Für den SüdWestWind
Ursula Schlößer